Einleitung:
Die Weltmeere bedecken einen riesigen Teil unserer Erdoberfläche. Ganze 71 % sind von Wasser bedeckt und beinhalten komplexe Ökosysteme. Diese Ökosysteme sind allerdings seit ein paar Jahrzehnten einer riesigen Gefahr ausgesetzt: dem Menschen und seinem übermäßigen Konsum. Nicht nur die Tatsache, dass jährlich ca. 150 Millionen Tonnen an Plastik im Meer landen, sondern auch der übermäßige Fischkonsum des Menschen und die damit verbundene Überfischung der Meere gefährden sowohl unsere Artenvielfalt als auch unser Klima.

Das Problem der Überfischung:

Während die Population der Menschen immer weiter ansteigt, steigt auch ihr Konsum. Dank ihrer Vielfältigkeit bieten die Weltmeere in der Hinsicht ein breites Spektrum an Möglichkeiten, welches der Mensch bereitwillig nutzt. Durch den technologischen Fortschritt wird ihm nun ebenfalls die Möglichkeit gegeben, sehr effizient sehr große Mengen an Fisch und anderen Lebewesen aus dem Wasser zu ziehen, wodurch die Population der Meeresbewohner rapide sinkt. So gelten inzwischen 33 % der gezielt gefischten Bestände als „überfischt“. Studien haben ergeben, dass bei gleichbleibender Fanggeschwindigkeit ab 2048 kaum noch Tiere im Wasser übrig sein werden. Die Population des roten Thunfischs wurde beispielsweise seit 1970 durch den Fischfang auf unter 3 % reduziert, was dem hohen Umsatz (42 Milliarden Dollar pro Jahr) zuzuschreiben ist. Es gibt zwar festgelegte Fangquoten, allerdings sind diese aus politischer und wirtschaftlicher Perspektive festgelegt, wodurch sie meist die wissenschaftlichen Empfehlungen überbieten und somit nicht zur Bekämpfung der Überfischung beitragen. Weiterhin wird die kommerzielle Fischindustrie stark durch staatliche Steuersubventionen unterstützt, was bedeutet, dass, auch wenn man selbst keinen Fisch isst, dieses Problem weiterhin durch die Subventionszahlungen unterstützen.

Folgen der Überfischung auf das Ökosystem und Klima:

Nahrungsketten:
Die Überfischung der Meere besitzt viele unterschiedliche Folgen. Dies fängt schon bei der Störung der Nahrungsketten an.

Nahrungskette im Meer

Durch eine Überfischung eines Endkonsumenten, wie es z. B. der Hai ist, vermehren sich die Sekundärkonsumenten rapide, wodurch der Nahrungsbedarf der Population ebenfalls ansteigt. Dies führt wiederum dazu, dass sich diese von den Primärkonsumenten ernähren, sodass dessen Population einbricht und die Population der Produzenten in die Höhe schießt. Die Nahrungskette wird also komplett gestört, wobei zu beachten ist, dass die Nahrungsketten in der Realität aus weit mehr als vier Schritten besteht. Schon durch die Überfischung einer einzelnen Art kann also das Populationsgleichgewicht massiv gestört und verändert werden.
Weiterhin verzweigen sich die Nahrungsketten verschiedener Arten teilweise. So leiden z. B. manche Vogelarten ebenfalls unter der Überfischung der Haie, da sie sich von Fischen ernähren, die von solchen Räubern an die Oberfläche getrieben werden. Fallen diese Räuber weg, bleiben die Fische für die Vögel unerreichbar, wodurch ihre Population dementsprechend ebenfalls fällt.


Freisetzung von Kohlenstoff:

Eine wesentliche Eigenschaft der Ozeane besteht darin, 93 % des weltweiten Gesamtkohlenstoffs zu speichern. Ein Großteil dieses Speichers geht von den Meerespflanzen aus, welche durch die modernen Fangtechniken zerstört werden. So wird der Kohlenstoff frei und gelangt in die Atmosphäre, was zur Klimaerwärmung beiträgt. Besonders das Schleppnetz stellt hier ein großes Problem dar. Wie der Name schon sagt, wird es hinter dem Boot, mit Gewichten beschwert, über den Meeresgrund gezogen, was zu einer massiven Zerstörung dessen führt. Die zerstörte Fläche ist dabei pro Jahr 150-mal größer als die durch die Regenwaldabholzung gerodete Fläche. Dabei werden nicht nur die Kohlenstoffspeichernden Pflanzen zerstört, sondern damit auch der Lebensraum verschiedenster Arten, was unweigerlich zu ihrem Sterben führt. Außerdem nehmen Fische während ihres Lebens einiges an Kohlenstoff aus dem Wasser auf. Sobald sie sterben, sinken sie nun auf den Grund und binden ihn, wodurch er so im Boden gespeichert wird. Wenn allerdings zu viele Fische gefischt werden, werden es immer weniger, um den Kohlenstoff aufzunehmen und zu binden, wodurch er ebenfalls in die Atmosphäre abgegeben wird.


Plastik:

Plastik in den Meeren stellt grundsätzlich ein riesiges Problem für das Klima dar. Allerdings geht dabei häufig unter, dass der größte Teil dieses Plastiks aus alten Fischerabfällen wie Netzen, Bojen, Eimern etc., besteht. Mit 46 % Anteil am globalen Meeresplastik ist dies eine signifikante Menge, welche durch die übergroße kommerzielle Fischerindustrie ausgelöst wird. Da es sehr lange Zeit braucht, um sie zu zersetzen, wird es ebenfalls mehr, wodurch Meerestiere beeinträchtigt werden. Besonders das Mikroplastik ist dabei gefährlich, da z. B. Fische es mit Nahrung verwechseln, daran sterben oder ein Fisch mit Plastik im Magen auf unserem Teller landet. Außerdem stellen Netze eine riesige Gefahr für z. B. Delfine dar, da diese sich in ihnen verheddern und ertrinken können. Würde die Fischerindustrie reduziert werden, würde dies ebenfalls für deutlich weniger Plastik in den Weltmeeren sorgen.


Bewegung des Wassers:

Eine weitere Folge dezimierter Fischpopulationen findet sich in der verminderten Bewegung des Wassers. Es wird stark vermutet, dass die Temperatur des Wassers bis zu einem gewissen Grad mit der Fortbewegung der Fische zu tun hat, indem diese das Wasser bewegen und sich so das warme Wasser der Oberfläche mit der kalten unteren Schicht vermischt. Wenn allerdings durch die Überfischung signifikant weniger Fische im Wasser vorhanden sind, bleibt diese Vermischung aus und das Wasser erwärmt sich konstant, anstatt mithilfe der unteren Schicht ein wenig abzukühlen. Dies würde ebenfalls zur Klimaerwärmung beitragen.


Direkte Konkurrenz:

Durch seine aggressiven Fangstrategien hat der Mensch inzwischen einige Arten so weit überfischt, dass er in direkte Konkurrenz mit einigen anderen Raubtieren tritt. So wird in Teilen Japans z. B. gezielt Jagd auf Delfine gemacht, mit der Begründung, dass diese uns den Fischbestand wegessen. Der Delfin wird also zum „Sündenbock“ menschlicher Überfischung, wodurch er inzwischen selbst in Gefahr ist.


Ursachen der Überfischung:

Neben dem steigenden Nahrungsbedarf der Menschheit profitieren sehr viele Menschen vom kommerziellen Fischfang. Gerade Delikatessenfische wie eben der rote Thunfisch oder Haie, bei denen die Flossen zur Suppe verarbeitet werden, werden hoch gehandelt, wodurch gezielt Jagd auf sie gemacht wird. Eine weitere Ursache für die Überfischung findet sich ebenfalls in den Fangmethoden, bei denen sehr viel Beifang entsteht. Diese durch die riesigen Netze zufällig miteingefangenen Tiere werden daraufhin wieder ins Meer geworfen, wobei sie allerdings meist schon tot sind. Dieses Problem wird auch als „unsichtbares Opfer“ der Fischerindustrie bezeichnet, da die Beifangquoten meist nicht weiter dokumentiert sind und somit kaum einer darüber spricht. Dies stellt ein riesiges Problem dar, da der Anteil an zufällig im Netz landenden Arten sehr hoch ist und der Beifang somit einen großen Teil zum Artensterben beisteuert.


Lösungsansätze:

Es wird inzwischen mithilfe von Aufsichten stark daran gearbeitet, die Fangquoten stärker zu kontrollieren. Außerdem gibt es ebenfalls neue Vorschriften, um den Beifanganteil möglichst zu reduzieren und die Fangmethoden meeresgrundfreundlicher zu gestalten. Das Problem an solchen Vorschriften ist, dass es auf See kaum möglich ist, die Einhaltung zu garantieren, besonders nicht bei den ca. 4,6 Millionen einzelnen Schifferboten, welche nicht daran denken an einem bestimmten Ort zu bleiben.


Schutzsiegel:

Siegel von Organisationen wie MSC oder ASC sollen dem Käufer einen Fisch aus nachhaltigen Fangbedingungen garantieren. Das Problem daran ist allerdings, dass solche Organisationen die Durchsetzung ihrer Bedingungen nicht ausreichend kontrollieren, wodurch keineswegs eine Garantie besteht. Weiterhin erfährt man, wenn man ein wenig dem Geldfluss folgt, dass solche Organisationen häufig von großen Firmen der Fischindustrie gesponsert werden, wodurch Besitzer dieser Firmen ihre Fangzahlen durch scharfe Auflagen zu vermiesen, da sie sonst selbst einen großen Teil ihrer Einnahmen verlieren würden. So ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass der Fisch im Supermarktregal trotz seines Nachhaltigkeitssiegels nicht von nachhaltigen Fangmethoden entspringt, was aus einer ursprünglichen Lösung des Problems ein Fördermittel der kommerziellen Fischindustrie schafft, da mehr Menschen diesen Fisch kaufen, wenn sie das entsprechende Siegel sehen.


Aquakulturen:

Um dem Problem der Überfischung entgegenzuwirken, wurden in den letzten Jahren sehr viele Aquakulturen gebildet, welche die hohen Fangquoten teilweise ausgleichen sollen. Allerdings besitzt auch dieser Lösungsansatz sehr viele Nachteile, angefangen bei der Herkunft des Fischfutters. So besteht dieses meistens aus natürlich gefangenem Fisch, was das Prinzip einer nachhaltigen Kultur schon alleine aushebelt. Besonders die Tatsache, dass mehr Fische als Futter benötigt werden, als am ende Aquakultur-Fische auf den Teller kommen, widerspricht dem Prinzip. Ein weiteres Problem besteht in den hygienischen Bedingungen in solchen Kulturen. Da die Fische meistens sehr dicht beieinander schwimmen und in diesem Umfeld ihre Exkremente ausscheiden, verbreiten sich Krankheiten oder Parasiten wie die Seelaus-Infektion sehr schnell, wodurch am Ende 50 % der Fische verenden, bevor sie bereit für den menschlichen Verzehr sind. Diese Nachteile von Aquakulturen sprechen eindeutig gegen eine nachhaltige Fischzucht.


Fischalternativen:

Um weniger Fisch zu konsumieren, besteht die Möglichkeit, auf zahlreiche Fischalternativen zurückzugreifen. So ist es inzwischen möglich, einen veganen Fischersatz nicht nur aus Soja oder auch aus Gemüse und anderen Proteinquellen herzustellen. Ein Beispiel bilden vegane Fischstäbchen, welche z.B. aus Tofu oder Seitan hergestellt werden. Diese Zutaten kommen dabei dem Geschmack und der Konsistenz des echten Fisches am nächsten.
Viele Menschen argumentieren mit dem Fehlen von Omega-3-Fettsäuren gegen den veganen Fischersatz, da diese nur in echtem Fisch vorkommen würden. Dies stimmt allerdings nicht ganz, da die Fische diese Fettsäuren ebenfalls durch Algen aufnehmen, wodurch sie, wenn man so will, nur ein Geschmacksträger sind. So kann man auch einfach Algen in sein Essen mitverarbeiten, um das Problem fehlender Omega-3-Fettsäuren zu vermeiden.


Fazit:

Bei unserer Recherche hat sich herausgestellt, dass es kaum eine nachhaltige Lösung für das Problem des übermäßigen menschlichen Fischkonsums und die damit verbundene Überfischung gibt. Das Einzige, was jeder Mensch für sich selbst tun kann, ist, seinen Fischkonsum einzuschränken oder sogar komplett zu stoppen.Für den Fall gibt es sehr viele verschiedene Fischalternativen, die dem eigentlichen Fisch vom Geschmack und der Konsistenz in nichts nachstehen.
Da der kommerzielle Fischfang eine riesige Industrie ist, wird sie wie jede andere von Angebot und Nachfrage reguliert, sodass eine Reduzierung des Konsums ebenfalls zu einer Reduzierung des Fischfangs und damit zu mehr Nachhaltigkeit führen könnte. Die Versuche die Nachhaltigkeit mit verschiedenen Siegeln zu gewährleisten, ist dabei ebenfalls keine Lösung, da die Organisationen dahinter, wie so ziemlich alles andere durch kommerziellen Profit und nicht durch den Gedanken einer nachhaltigen Zukunft gesteuert werden. Fakt ist: Wenn jetzt nichts getan wird, wird es bis ca. 2050 keinen kommerziellen Fischfang mehr geben können, da schlichtweg nichts mehr zum Fangen da ist. Dies würde das Klima stark beeinträchtigen.


Umfrage zum Fischkonsum:


Um einen besseren Einblick zu dem Thema in unserer Altersgruppe (14-21 Jahre) zu erlangen, haben wir eine private Umfrage mit 45 Teilnehmern durchgeführt, die zu folgenden Ergebnissen kam:


1: Wie oft Konsumierst du Fisch in der Woche?


2: Achtest du beim Kauf auf die Herrkunft des Fisches? (auf was)


3: Weißt, wofür das "ASC" und "MSC"-Siegel stehen?


4: Beachtest du diese Siegel beim Kauf?


5: Achtest du darauf, ob du einen gefährdeten Fisch kaufst?


6: Was wäre ein Grund für dich, auf Fisch zu verzichten?


7: Falls du kein Fisch konsumierst, aus welchem Grund?


Die von uns durchgeführte Umfrage zeigt, dass das Problem der Überfischung immerhin bei einigen Leuten angekommen ist, indem größtenteils darauf geachtet wird, dass der Fisch nicht einer gefährdeten Art angehört und kaum einer jeden Tag Fisch konsumiert.
Auch die Siegel sind einigen bekannt, was trotz ihrer erläuterten fehlenden Seriosität immerhin einen ersten Schritt in die richtige Richtung bedeutet.
Dennoch bedarf es noch viel an Aufklärungsarbeit, da immer noch ein großer Teil der Befragten nicht auf seinen allgemeinen Fischkonsum achtet.


Filmreview Seaspiracy

Nach seinem Erfolg mit der kontrovers diskutierten Dokumentation „Cowspiracy“ (2014) lenkt Kip Anderson die Aufmerksamkeit nun mit einer neuen Dokumentation „Seaspiracy“ (2021) auf ein weiteres essenzielles Problem unserer Gesellschaft, welche wir euch ebenfalls herzlichst empfehlen möchten.

Speaspiracy ist ein 2021 veröffentlichter Dokumentarfilm von Kip Anderson und unter der Regie von Ali Tabrizi zum Thema Überfischung und ihre Folgen auf den Klimawandel.

Tabrizi, der schon von klein auf Interesse am Meer gezeigt hat, geht in der Dokumentation der Frage nach, inwieweit die Überfischung der Meere einen Einfluss auf den Klimawandel hat und was man dagegen tun könnte.

Während er am Anfang noch recht locker und oberflächlich an die Sache herangeht, führen ihn seine Recherchen recht bald viel tiefer in eine von Korruption und illegalem Fischfang dominierte Industrie, die häufig auch noch vom Staat gedeckt wird.
Dabei wird ihm immer klarer, dass das Problem des menschlichen Fischkonsums weit größer ist, als er ursprünglich dachte und dass die Umwelt sehr stark mit dem Leben in den Ozeanen zusammenhängt. So wird aus einem Dokumentarfilm über die Schönheit der Ozeane, wie es eigentlich geplant war, schnell ein Hilferuf zur Bekämpfung der Überfischung und ihre damit einhergehenden klimatischen Folgen.

Bei der Dokumentation der Geschehen auf See und auf dem Land scheut Trabizi dabei nicht vor abschreckenden Bildern und klaren Botschaften, welche den Zuschauer dazu bringen, selbst über seinen Fischkonsum nachzudenken und seinen Beitrag zur Förderung dieser Industrie zu begreifen. Im Endeffekt schafft es „Seaspiracy“, den Zuschauer das Fischregal im Supermarkt mit anderen Augen sehen zu lassen und bewegt ihn zum Umdenken.




Quellen der Recherche:

Film: „Seaspiracy“ - Netflix
KYMA - sea conservation & research
WWF
GTAI - Germany trade & invest
Deutschland is[s]t vegan